
Schreiben als Begegnung
Das geschriebene Wort hat die besondere Fähigkeit
Räume für Dialog zu öffnen
und Verbindungen zu schaffen. Zu uns selbst, zu anderen Menschen und manchmal auch zu Gedanken und Gefühlen, die lange keinen Raum hatten. Schreiben beginnt mit einer Resonanzerfahrung. Ein Gedanke, eine Beobachtung, ein Bild. Was daraus entsteht, lässt sich selten planen – und genau darin liegt der Reiz des gemeinsamen Schreibens, es beantwortet viele aktuelle Fragen:
Menschen kommen ins Gespräch, auch wenn gewohnte Kommunikationsmuster nicht mehr funktionieren. Gemeinsames Schreiben wird dabei zu einer Form der Begegnung, die zugleich einfach und überraschend tiefgreifend sein kann.
Schreiben heißt, die Welt einatmen.
Doris Dörrie
Miteinander schreiben
Wenn Menschen miteinander schreiben, entsteht zunächst etwas ganz Einfaches: Jede und jeder schreibt aus der eigenen Perspektive. Gedanken, Erinnerungen, Bilder und Gefühle dürfen auftauchen, ohne dass sie sofort erklärt, bewertet oder verteidigt werden müssen. Im Schreiben kann zunächst alles da sein – das Unfertige ebenso wie das Widersprüchliche. Erst danach werden die Texte miteinander geteilt. Im Zuhören passiert dann etwas Entscheidendes:
Wir begegnen einem Menschen nicht mehr nur über seine bekannte Rolle, seine Meinung oder seine bisherige Geschichte, sondern über seine ganz eigene Wahrnehmung. Wir verstehen: Ein Impuls trifft auf fünf, zehn oder fünfzig verschiedene Innenwelten – mannigfaltige Geschichten entstehen. Wir erleben den Reichtum, der in der
Ko-Kreation
liegt. Plötzlich kann sichtbar werden, was wir voneinander noch nicht wussten. Diese Erfahrung des Wir-Raums bildet den Kern, der im verbindenden Schreiben liegt – egal ob online im Schreiben – einfach so oder in einem längeren