Gegen Schreibblockaden – 20 Praxistipps

2018-03-19T17:38:35+00:00 1. Februar 2018|

Da ist es wieder – das weiße Blatt. Es sieht so unschuldig aus, dabei ist es gemein, heimtückisch und nur dazu da, Dir den Tag zu verderben. Was kann man gegen Schreibblockaden tun? Eine Menge, ich weiß es aus Erfahrung, denn ich arbeite im zehnten Jahr freiberuflich als Texterin, Fachautorin, Ghostwriterin und Textcoach. Ich blogge – für mich und für andere – und arbeite an Buchprojekten.

In den letzten Jahren habe ich die Angst vor dem weißen Blatt und/oder dem leeren Bildschirm verloren. Aber ich kenne sie, nur zu gut. Und mit ihr einher kommen Rausschieberitis, Aktionismus und die unbedingte Lust, die Steuererklärung zu machen oder den Keller aufzuräumen. Psychologen nennen diese Taktik Vermeidungshandlungen. Sie hat durchaus ihre guten Seiten, sonst würde manch unliebsame Aufgabe nie angegangen. Aber irgendwann ist es gut mit dem Vermeiden – dann heißt es ran an den Schreibtisch und loslegen. Wie heißt es bei Laotse (Ich glaube, er hat´s gesagt…) so schön:

Die Zeit ist eine Erfindung. Zu sagen „Ich habe keine Zeit“ ist, als sage man „Ich habe keine Lust.“

Hier meine 20 Tipps, wie Du Zeit und Lust gewinnst und Deine Schreibblockaden löst. Probiere die Tipps aus, es wird sicher der eine oder andere für Dich dabei sein. (Und es wird Tipps geben, bei denen Du denkst: „Boah, Andrea, echt jetzt?“ Aber gut, dann gilt dieser Tipp für Dich eben nicht. Dann versuche doch genau das Gegenteil.)

  1. Wärme Dich auf

Sportler tun es, warum sollen Schreiber es nicht tun? Groove Dich ein, indem Du drauflosschreibst. Vergiss das Thema, die Aufgabe und den Sinn, versuche nicht unbedingt, in ganzen Sätzen zu schreiben. Stichworte sind völlig OK. Das Wunderbare ist: Wenn Du circa 10 Minuten geschrieben hast, bist Du per Autopilot mit Deinem Unterbewusstsein verbunden und dann sind die Schreibblockaden weg. Und als Nebeneffekt ist die Seite nicht mehr weiß und leer! Ob von dem Geschriebenen etwas brauchbar ist? Vielleicht nicht, aber das ist zweitrangig.

  1. Finde eine Struktur

Auf der Autobahn folgst du dem Straßenverlauf, der Unterricht folgt einem Stundenplan, auch ein Arbeitstag ist in Termine gegliedert (meistens). Struktur und Gliederung sind wunderbare Leitplanken für einen Texter. Sie geben eine Richtung vor und helfen Dir, den Überblick zu behalten. Außerdem sortiert man in der Gliederungsphase seine Gedanken und findet Anknüpfungspunkte für den Text. Und zu guter Letzt sorgt eine Struktur dafür, dass der unüberwindbare Berg (gerade bei größeren Schreibprojekten) in viele kleinere Hügel unterteilt wird, die sich locker(er) angehen lassen. Welche Strukturen gibt es? Du kannst den Text in Abschnitte (numerisch oder thematisch) unterteilen. Du kannst Überschriften finden und/oder Zwischenüberschriften. Probiere, mit Mindmaps zu arbeiten oder mit Listen.

  1. Suche nicht die Ordnung – suche das Chaos

Vielleicht benötigst Du Struktur, um den Anfang des roten Fadens zu finden und fortzuführen. Oder benötigst Du das Gegenteil – das Chaos? Oftmals stehen Chaos und Unordnung für Innovation – für Einfallsreichtum, Kreativität und Originalität. Sie helfen, ausgetretene Pfade zu verlassen und Gewohntes zu hinterfragen. Wenn Du mit dem „Gedanken sortieren“ nicht weiterkommst, dann sortiere sie nicht. Nimm sie, wie sie kommen. Bring das Chaos zu Papier (Auf Metaplankarten oder Post-its) und schau, was passiert. Auch Kreativitätstechniken machen sich diese „Chaostheorie“ oft zunutze.

  1. Schreibe nicht – rede

Du hast einen willigen Zuhörer? Das kann Dein Hund oder der Teddybär sein – schalte Dein Diktiergerät ein und erzähle Deinem Gegenüber, worüber Du schreiben willst. Rede, solange Du willst – nimm es auf, schreib es ab und führe die Gedanken weiter.

  1. Schreibe nicht – höre zu

Hast Du mit jemandem über das Thema gesprochen, über das Du schreiben willst (oder musst?). Nein? Tu es. Und höre den Antworten genau zu. Unterbrich nicht, auch wenn Du meinst, viel mehr zu wissen. Im Gehörten findet sich der Impuls, der Deine Schreibblockaden löst. Notiere ihn Dir und führe ihn weiter.

  1. (Er-)finde Deinen Traumleser / Deine Traumleserin

Schreib nicht für die anonyme Masse. Stell Dir einen Leser vor, von dem Du möchtest, dass er den Blog unbedingt liest – eine Leserin, für die Du das Buch schreibst. Wenn du den Bedarf auf eine (fiktive) Person ausrichten kannst, fällt es Dir viel leichter den Aufbau, die Botschaft und die Argumente zu sortieren.

  1. Kläre für Dich, warum Du das schreibst

Ich schreibe, um Geld zu verdienen. Das ist einfach. Meistens. Aber meine Blogartikel z.B. oder ein Buchprojekt sind Texte, in denen ich viel von mir mitteile – was mich bewegt, was Euch als LeserInnen bewegen soll. Oder ich möchte mit meinen Inhalten eine bestimmte Zielgruppe auf mich aufmerksam machen, um neue Kunden zu gewinnen. Wenn Du herausfindest, warum Du schreibst, wird sich Deine Motivation klären und weg sind die Schreibblockaden.

  1. Konzentriere Dich aufs Schreiben

Korrigieren kannst Du später. Während ich das hier tippe, ist die Bildschirmseite voller roter Kringel. Egal. Das bleibt erstmal so! Solange die Gedanken fließen, wird getippt bis die Finger rauchen. Erst wenn der Fluss stoppt nutze ich die Zeit, um den Text durchzugehen und zu korrigieren. Dabei fällt mir der rote Faden wieder in die Hand und ich kann weiterschreiben.

  1. Lenke Dich ab

Warum kommen die besten Ideen beim Duschen? Weil Du nicht konzentriert bist. Wenn etwas Deine Aufmerksamkeit ablenkt oder Du halb bei der Sache bist, tagträumst oder kurz vor dem Einnicken bist, dann ist Dein Gehirn noch lange nicht ruhig – im Gegenteil, es läuft zu schöpferischer Hochform auf. Nutze das. Außerdem kennen wir alle die unmögliche Aufgabe: Denke NICHT an einen rosa Elefanten. Na? Siehst Du. Soll heißen: Wenn „Ich muss jetzt schreiben“ Dein Hirn ausfüllt, ist kein Platz für kreative Gedanken.

  1. Lies ein Buch

Gut, ein Buch kann man immer lesen. In diesem Fall meine ich nicht irgendein Buch, sondern eines, das Dich beindruck hat. Ließ es diesmal nicht als LeserIn, sondern als „KollegIn“ – wie ist der Aufbau, wie die Syntax? Was gefällt Dir an dem Buch so gut, kannst Du vielleicht etwas abgucken, übernehmen? (Ich meine nicht Abschreiben, ok?)

  1. Lass Dich inspirieren

Zuhause oder im Büro kommen Dir keine Ideen? Logisch, Ideen brauchen neue Reize, um aus ihrem Kämmerlein hervorzukommen. Gehe ins Museum oder schau Dir einen Kinofilm an. Besuche ein Theaterstück oder einen Vortrag. Wichtig daran ist: Tue etwas, das du sonst nicht tun würdest.

  1. Schreibe mit der Hand

Es gibt etliche Studien die zeigen, warum die Handschrift so wichtig ist. Fest steht, dass durch das „mit-der-Hand-Schreiben“ andere Gehirnareale aktiviert werden als durch das Tippen. Du kannst Dich – siehe Tipp 1 – beim Schreiben mit der Hand viel leichter mit Deinen Gedanken verbinden, Du bist kreativer und effizienter in der Denkweise. Die Hand, die den Stift hält, verlängert quasi Dein Gehirn, Fantasie und Vorstellungskraft werden gestärkt. Genau aus diesem Grund schreiben viele SchriftstellerInnen ihre ersten Entwürfe für einen neuen Text mit der Hand.

  1. Nutze eine Suchmaschine

Im Kopf herrscht absolute Leere? Schau doch mal, was andere zu dem Thema schreiben.

  1. Nutze KEINE Suchmaschine

Mit Tipp 13 meine ich nicht, dass Du abschreiben sollst oder kopieren. Und vor allem – google nicht ganz am Anfang Dein Thema, um das leere Blatt mit fremden Worten zu füllen. Dann sind alle weiteren Ideen nicht mehr Deine, sie sind beeinflusst von dem, was Du online gefunden hast. Mach Dir die Mühe, Deine eigenen Worte und Ideen zu Papier zu bringen und vor allem:

  1. Vergleiche Dich nicht

Natürlich ist alles schon gesagt oder geschrieben worden. Aber nicht von DIR! Jeder beurteilt einen Sachverhalt anders, hält andere Dinge für wichtig und bringt neue, andere Aspekte in ein Thema ein. Deine Landkarte ist anders als die von allen, die schon über Dein Tema geschrieben haben. Also wird Dein Beitrag, oder Dein Buch einzigartig sein. Wenn Du es schreibst.

  1. Schalte Störquellen aus

Emails, Facebook, Pinterest – es ist verführerisch, sich immer wieder ablenken zu lassen, wenn die richtigen Worte nicht fließen. Weg damit. Stecker raus. Am besten auch das Telefon auf den AB schalten und Deine Familie oder Kolleginnen freundlich darauf hinweisen, dass Du zwei Stunden Zeit für Dich brauchst.

  1. Schaffe Dir Raum – räumlich und zeitlich

Von vielen Autoren höre und lese ich, dass sie einen bestimmten Platz haben, an dem sie schreiben und sich fest zementierte Zeiten „buchen“, an denen geschrieben wird. Und dann wird geschrieben – mithilfe dieser Tipps sind Schreibblockaden ja kein Problem mehr.

  1. Wechsle den Ort

Du schaffst am Schreibtisch nichts Vernünftiges? Schon mal versucht, in einem Café zu arbeiten oder in einem Coworking-Space?

  1. Im Großraumbüro kreativ sein

Wenn Du Dich bei den letzten drei Tipps kaputtgelacht hast, arbeitest Du wahrscheinlich im Großraumbüro, oder an einem anderen Ort, an dem Du nicht frei über Raum und Arbeitszeit verfügen kannst. Ich kenne das gut, habe vor meiner Freiberuflichkeit selbst etliche Jahre in großen und/oder lauten Büros gesessen und auf das Ende der Kernarbeitszeit gewartet. Damit ich meine Gedanken wieder hören konnte. Was ich mittlerweile tun würde? Aktiv werden, die Situation ändern. Z.B.

  • Zeitweise mit einer Kollegin tauschen, die an einem ruhigeren Ort sitzt
  • Einen Homeoffice-Tag zum Schreiben und Denken verhandeln
  • Einen Tag in der Woche mittags kommen, bis 20 h bleiben (oder umgekehrt, ganz früh kommen)
  • Mir schallabsorbierende Kopfhörer anschaffen
  • Einfach keine Projekte mehr annehmen, bei denen ich Ruhe benötige! (Lies genau – was ICH in dieser Situation tun würde :-)), denn …
  1. .. Du musst Deinen Weg finden

All diese Tipps gegen Schreibblockaden sind meine Tipps. Sie müssen nicht für Dich gelten. Du musst Dir die Mühe machen und ausprobieren, wann, wo, womit und gegebenenfalls worüber Du am besten schreibst. Gib bitte nicht auf, die Welt will lesen, was Du ihr mitzuteilen hast.

Ich höre von vielen Freundinnen, dass sie sich zum Sport verabreden müssen, um gegen den inneren Schweinehund anzukommen. Bei mir ist es umgekehrt – wenn ich weiß, dass ich zu einem festen Zeitpunkt Sport machen MUSS, habe ich den ganzen Tag keine Lust. Was hat das mit dem Schreiben zu tun? Nix. Ich will nur die rheinische Weisheit verdeutlichen:

Jeder Jeck is´ anders!

Zum Schluss zwei Bitten:

Du hast Deine individuelle Technik gegen Schreibblockaden und sie ist NICHT in dieser Liste? Magst Du sie mit uns teilen? Das würde mich sehr freuen – schreib mir an andrea@andrea-goffart.de

Und schreib mir unbedingt, welche Erfahrungen Du mit diesen Techniken gemacht hast. Dann kann ich Deine Impulse in die Liste einarbeiten und Du hilfst anderen dabei, ihre Blockade zu überwinden.