Eine Liste – Ordnung.
Ein Gedicht – Poesie.
Ein Listengedicht – passt das zusammen?
Ja. Gerade, wenn man, wie ich, Listen liebt und mit Poesie eher fremdelt. (Wobei, das ändert sich gerade …) In letzter Zeit nutze ich immer öfter eine besondere Form der Lyrik, die auch in der Poesietherapie zu Hause ist: Das Listengedicht. Es inspiriert mich – wie eine Spirale führt es mich immer tiefer und weiter in ein Thema, formend, klärend und bereinigend. Das schöne ist – so ein Listengedicht braucht weder literarisches Können noch Kreativität. Anhand von gleichen oder ähnlichen Satzanfängen ergibt sich ein Text, der rhytmisch und inhaltlich sehr aussagekräftig ist.
Diese Gedichtform bringt Tempo in den Schreibprozess und wir gelangen durch dieses Tempo am Denken vorbei zu neuen, interessanten und vielleicht bisher unbewussten Themen oder Erkenntnissen. Jede Zeile führt zu neuen Gedanken – es bilden sich Assoziationsketten, interessante Wendungen: Grundlagen für weiterführende Auseinandersetzungen. (So wird ein Listengedicht vielleicht dein Steinbruch für weitere Schreibimpulse, so zumindest geht es mir meistens.)
Listengedichte überzeugen durch ihre besondere Kombination von Einfachheit und Tiefe. Die fast technisch anmutende Grundstruktur der ständigen Wiederholung hat einen ganz besonderen Reiz und bietet uns als Schreibende ein tolles Handwerkzeug für Entdeckungsreisen mit Stift und Papier. Und auch als Leserin oder Hörerin von Listengedichten bin ich immer wieder erstaunt, wie schnell Tiefe entsteht.
Oft ist schon der Titel eines Listengedichts Programm und rundet das „Geschehen“ ab, welches sich in den folgenden Zeilen enfaltet. Oder gibt die Richtung vor – wie es Überschriften ja so oft tun. Jeder Text verdient eine Überschrift – erweise ihm die Ehre! Doch das ist ein anderes Thema – zurück zum Listengedicht.
Das Tun
Ein Listengedicht besteht aus einem oder mehreren vorgegebenen Sätzen oder Satzanfängen, die du immer wieder weiterschreibst. Immer der gleiche Satzanfang führt jeweils zu einem neuen Satz, einem neuen Gedanken.
Notiere jede Antwort in einer neuen Zeile. Nimm dir 10 Minuten – nicht weniger, nicht mehr. Und: Bitte nur EIN Listengedicht pro Tag. Und du kannst dir deine Listengedichte wunderbar selbst basteln – jede Frage, die dich umtreibt, jede Unklarheit kann zum Einstiegssatz in ein Listengedicht werden. Probier es aus, doch hier erst einmal zwei Impulse zum Warmwerden.
Viel Freude.
Impuls 1:
Listengedicht – Über die Erlaubnis
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
Ich erlaube mir, ….
(Und so weiter, 10 Minuten)
Impuls 2:
Listengedicht – Naheliegendes
In den nächsten Tagen werde ich
In den nächsten Tagen werde ich
In den nächsten Tagen werde ich
In den nächsten Tagen werde ich
In den nächsten Wochen werde ich
In den nächsten Wochen werde ich
In den nächsten Wochen werde ich
In den nächsten Wochen werde ich
In den nächsten Monaten werde ich
In den nächsten Monaten werde ich
In den nächsten Monaten werde ich
In den nächsten Monaten werde ich
Im nächsten Jahr werde ich
Im nächsten Jahr werde ich
Im nächsten Jahr werde ich
Im nächsten Jahr werde ich
(Dank an Silke Heimes für den Impuls dieser Liste)