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Hallo Ihr lieben Leserinnen und Leser – Ihr werdet jetzt zu Zuschauern und Zuschauerinnen!

Es wird nämlich Zeit für einen starken Impuls, den ich seit Wochen, Monaten in mir trage. Ich werde beginnen, an dieser Stelle regelmäßig über „starke Frauen“zu sprechen und Interviews zu führen. Ich möchte herausfinden: Was ist das eigentlich, eine starke Frau?

Frauenquote, Emanzipation, Diversity, Identitätsdiskussionen und Gendersternchen – alle schreien nach Gerechtigkeit. Wenn wir weibliche Rollenbeispiele vorgesetzt bekommen, ist oft die Rede von starken Frauen. Die machen mobil – ob bei „Fridays for Future“ oder in den Vorständen, in der Wissenschaft. Auch ich bin überzeugt davon, dass wir langfristig als Gesellschaft nur weiterkommen, wenn wir der Weiblichkeit mehr Platz einräumen. Aber brauchen wir dazu starke Frauen?

Angefangen haben meine Überlegungen mit einem Gespräch über meine Arbeit als Biografin. Ich sagte, dass ich gerne über starke Frauen schreiben möchte und hatte ein bestimmtes Bild im Kopf. Meine Gesprächspartnerin hat dieses Bild genommen und mir gespiegelt, indem sie fragte: Was ist das denn für dich – eine starke Frauen? Das hat mich nachdenklich gemacht.

Dann kam Corona – und es waren irgendwie selbstverständlich die Frauen, die sich wieder auf Heim und Herd, Homeoffice und Homeschooling beschränkt sahen – in meinem Umfeld jonglieren vor allem die Frauen mit zu vielen Bällen – ich erlebte gerade bei den Müttern sehr viel Rückzug, sehr viel Überlastung – habt Ihr das auch so erfahren?  Die Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger schätzt, dass uns die Corona-Krise in Sachen Gleichberechtigung um drei Jahrzehnte zurückwerfen könnte.

Andererseits erlebte ich, dass viele Frauen GERADE in dieser Zeit neue Netzwerke knüpften, neue Technologien ausprobierten, sich im Chaos, im Unerwarteten ziemlich gut zurechtfanden.

Besagt Frau Allmendinger tritt übrigens zusammen mit einer Gruppe mehr oder weniger bekannter Frauen für die Frauenquote ein. Die ist ja immer wieder im Gespräch – wir brauchen mehr Frauen in der Wirtschaft – wirklich? Und wenn ja, welche? Die, die im grauen Kostüm die männlichen Eigenschaften der Ellenbogengesellschaft, des Patriarchats noch besser perfektioniert haben als ihre Kollegen? Die, die qua Geburt oder Heirat einen Status erworben haben, der sie über Seilschaften in gut dotierte Vorstandsposten hievt? (Bin ich jetzt ungerecht?)

Befördern Quoten die RICHTIGEN Frauen in die Wirtschaft?

Was uns wiederum zur Frage bringt: Was wären die RICHTIGEN?

Für mich sind alle die richtig, welche die Entscheidungsgremien in Unternehmen bunter, gemischter, heterogener machen, damit wir der wachsenden Komplexität da draußen eine machtvolle Wissensbasis für gute Entscheidungen entgegensetzen können. Das ist für mich Diversity – wie ich sie mir wünsche. Diversity, wie ich sie bisher erlebt habe, ist eher so: „Ey, wir sollten mal wieder ´ne Frau einstellen.“

Aber warum endet Diversity oft bei der Frauenquote?

Warum ist die Arbeitswelt männlich – warum sollte sie weiblicher werden?

Welche Frauen brauchen wir? (Egal, Hauptsache Frau?)

Und wenn wir starke Frauen brauchen – was macht Frauen stark?

Und – könnte diese Stärke auch den Männern nutzen?

Was also bedeutet Weiblichkeit im Bezug auf Stärke generell?

Ist die Zukunft weiblich?

In der Welt lese ich, dass eine UN-Studie (World Survey on the Role of Woman in Development) belegt, dass Unternehmen mit weiblichen Vorständen in OECD-Ländern 42 Prozent höhere Verkaufsgewinne erzielten. Und weiter: „Der weibliche Führungsstil ist geprägt von Lösungsorientierung und der Konzentration auf Sachverhalte. An der Unternehmensspitze verändern Frauen die Kultur des Unternehmens, denn sie bringen andere Erfahrungen, andere Werte und ein anderes Bild von den Kunden, Mitarbeitern und der Wirtschaft mit.“

Aber warum ist das so? Oft hört „man“, das Argument, dass Frauen perse für das Integrative geeigneter sind, durch ihre „Mütterlichkeit“. Frauen stehen für Eigenverantwortung und Selbstorganisation, weil sie ja schon immer gezwungen sind, Beruf und Privates sinnvoll zu koordinieren. Diese Argumente halte ich – Entschuldigung – für lächerlich, es ist geradewegs die Zementierung alter Klischees. Trotzdem! Die Zukunft ist weiblich – aber sie ist nicht in den Händen der Frauen, weil sie besser organisieren können. Es ist die weibliche Kraft, die wir benötigen, das integrative, raumgebende, das leben-gebende Prinzip der Weiblichkeit. Wir benötigen keine Kämpfer mehr (sie habe ihre Kraft aufgebraucht und sind müde)! Wir kehren zurück zur Ur-Kraft des Weiblichen und suchen sie in jeder, in jedem von uns. Wir suchen und finden Frauen, die ihre Weiblichkeit nicht aufgegeben haben, um im gläsernen Turm Karriere zu machen, indem sie die besseren Männer wurden. Und wir suchen und finden Männer, die sich trauen zu ihren Schwächen zu stehen und auch mal zuzugeben: „Sorry, ich weiß gerade auch nicht weiter.“

Ihr merkt es vielleicht, in diesem Thema ist für mich (noch) jede Menge Raum für Interpretation, der letzte Absatz strotz vor Annahmen, Auslegungen und Ideen und diese, meine Annahmen, möchte ich gerne messen an anderen Annahmen, an anderen Meinungen, an Geschichten von Weiblichkeit und Stärke. Denn was hilft es mir, meine Ideen und meine Vorstellung hier hinschreiben und fertig? Oder sie unter einen schicken Buchdeckel zu packen? Dann haben wir eine weitere Meinung im unendlichen Kanon. Ich finde es viel spannender, meine Vorstellungen komplett in eine Kiste zu stecken, zusammen mit Schrödingers Katze, und dann neu zu schauen, was passiert, wenn Wellen zu Teilchen werden. Also zu schauen, was mit meiner Vorstellung von starken Frauen passiert, wenn ich sie dem Austausch und der Beobachtung unterziehe.

Ich möchte mit Frauen und Männern darüber sprechen, wie sie Stärke bei Frauen definieren. Ich möchte mit Frauen gemeinsam erkunden, wie sie Stärke erleben, bei sich. Bei anderen. Und aus all dem soll – so ist der ambitionierte Plan – ein Buch entstehen.

Ich spreche mit Frauen, die über Frauen schreiben und die mit ihnen arbeiten. Ich werde mit erfolgreichen Unternehmerinnen reden, mit Politikerinnen, vielleicht mit Ordensschwestern. Und mit Männern – Mal sehen, wohin mich meine Recherchen führen. Ich möchte auch mit Müttern sprechen, mit Hausfrauen, die besondere Herausforderungen meistern, ohne jemals zu glauben, dass sie stark sind. Ich möchte alltägliche neben besondere Geschichten stellen und am Ende mit meinen Gesprächspartner:innen ein Bild zeichnen, das mit jedem Gespräch schärfer wird, ein Bild der starken Frau. Was glaubt Ihr, wie wird dieses Bild aussehen?

Wenn Ihr Lust habt, am Bild mitzuwirken, dann beantwortet mir doch gerne per E-Mail diese Fragen:

  1. Was macht für Dich eine starke Frau aus?
  2. Hast Du ein konkretes Beispiel für eine starke Frau und wenn ja – warum ist diese Frau für dich stark?
  3. (Wo) brauchen wir mehr Frauen? Warum?
  4. Wen sollte ich zu dem Thema interviewen – hast Du Vorschläge?