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 Kennt Ihr das Projekt „Starke Frauen“ noch nicht? Dann könnt Ihr Euch hier das Einführungsvideo (5 Minuten) ansehen oder es lesen.

(Hinweis: Wer das Videointerview mit Marion schon gesehen hat, liest bitte direkt an der Stelle weiter, wo der Text wieder schwarz wird. Die grünen Zeilen sind eine Abschrift des Video-Interviews für alle, die lieber lesen als gucken 😉)

This interview is available also in english – see text below.

Hallo liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, ich bin heute auf eine ganz besondere Art verbunden, nämlich über den großen Teich hinweg nach Wisconsin, wo es sieben Stunden früher ist und damit 8 Uhr morgens. Marion Riehemann (früher: Guérin) trinkt dort drüben also noch ihren Frühstückstee und wird sich währenddessen mit mir über starke Frauen unterhalten. Marion hat einen spannenden Lebenslauf, sie ist in Kanada geboren, hat als Kind schon in New York gelebt, ist dann in Deutschland aufgewachsen und nach verschiedenen Stationen weltweit lebt sie jetzt seit anderthalb Jahren wieder in Amerika, der Liebe wegen. Marion war Schauspielerin, war Theaterpädagogin, war Sprachdozentin und hatte eine logopädische Praxis, bevor sie dann ihrem Herzensruf gefolgt ist. Sie ist jetzt seit vielen Jahren Unternehmensberaterin und Coach auf Top-Führungsebene in Deutschland und international. In ihrem Tun verfolgt sie ein ganz besonderes Thema. Es geht ihr darum, Führung in eine neue Bewusstseinsebene zu bringen, das ist nichts weniger als ein Paradigmenwechsel in der Führung. Als ich Marion kennengelernt habe, in der Beobachtung ihres Tuns und was sie bewegt, hatte ich den Eindruck – „Oh, diese Frau kann alles.“ Deswegen ist sie für mich eine ideale Gesprächspartnerin für die Frage: Was ist eigentlich eine starke Frau?

Marion: Eine sehr schöne Frage, und sie ist so wunderbar offen. Ich verstehe meine Antwort darauf so, dass ich erst einmal sage, was ein starker Mensch ist und das dann in Bezug setze zur Frau im 21ten Jahrhundert. Ein starker Mensch ist ein Mensch, der auf seiner Reise durch das Leben eine Reise zu sich selbst beginnt und diese nicht mehr aus den Augen verliert, zumindest immer wieder den roten Faden aufnimmt und zu den essenziellen Fragen zurückkehrt – wer bin ich, warum bin ich hier, was ist der Grund meines Hierseins, was gilt es für mich zu erkennen? Es geht darum, die Natur von Realität zu verstehen, die Natur des Menschseins zu untersuchen und sich selbst immer besser zu kennen. Das bringt mich zurück zu einem Zitat, dass meine Mutter früher an der Wand hängen hatte: „Tat Tvam Asi“ – Dieses bist du, erkenne dich selbst. Ein starker Mensch ist jemand, der mit Freude und Leichtigkeit, aber dennoch hartnäckig den Fokus hält – wer bin ich? Und das neben dem Menschsein, all dem, was uns hier ablenken will und herausfordert, all dem, was geschafft und geschaffen werden möchte. Wenn ich aus dieser tieferen Ebene heraus lebe, arbeite und Entscheidungen treffe, dann ist das ein riesengroßer Beitrag zu dem, was wir (als Menschheit) heute brauchen.

Andrea: Und in Bezug auf die Frau?

Marion: Meine Ahnung ist, und ich spreche da auch ein bisschen für mich selbst (lacht), ich schaue auf meinen Weg und schaue um mich herum – wer sind für mich die starken Frauen? Das sind dann welche, die verstehen, dass es darum gehen könnte, eine Brücke zu bauen und zu sagen: Das Männliche, was bisher so dominant unsere Welt beherrscht hat, das ist auch in uns! Ich bin sowohl weiblich als auch männlich, genauso wie der Mann auch beide Seiten in sich trägt. Beide gilt es zu integrieren. Starke Frauen sollten außerdem die eigenen Verletzungen und Ängste wirklich anschauen und als Entwicklungschance begreifen. Dann können sie eine weise, eine intuitive, eine feminin starke, durchsetzungsfähige Rolle in der Welt einnehmen, die es auch den Männern, dem Männlichen und männlichen Systemen ermöglicht, sich zu öffnen. Diese könnten beginnen neugierig zu sein und mit der eigenen Sehnsucht in Verbindung zu kommen, von der ich immer mehr überzeugt bin, dass sie auf die Welt kommen will.

Andrea: Um so zu agieren, wie du es gerade beschreibst – um also neugierig zu machen durch eine bestimmte Haltung – brauchen die starken Frauen da nicht eine höhere Sichtbarkeit? Sie müssten erst einmal in der Öffentlichkeit, der Gesellschaft ankommen, wahrgenommen werden? Wie hast du konkret bei deinen Tätigkeiten in Deutschland die Sichtbarkeit der starken Frauen in den Unternehmen wahrgenommen?

Marion: Da sind jetzt zwei Inhalte in deiner Frage, auf die ich gerne nacheinander eingehen möchte. Zunächst einmal deine implizite Annahme, das Sichtbarkeit der einzige Weg ist. Denn das wäre ja dann ein Denkrahmen, in dem ich mich mit meiner Antwort bewegen müsste und dazu bin ich tatsächlich nicht bereit, ohne den in Frage zu stellen. Ich glaube nämlich nicht, dass Sichtbarkeit der einzige Weg ist. Es ist ein Weg, und zwar einer, der in unserer Gesellschaft unglaublich anerkannt wird und schnell zu Erfolg führen kann. Sichtbarkeit ist super hilfreich, keine Frage. Was ich allerdings für mich feststelle, als Frau und vor allem als Mensch: Wenn ich lerne, mich selbst und die Welt aus einem anderen Ort heraus zu verstehen und von dort aus mir und der Welt eine Bedeutung zu geben, die ich statt hier oben (zeigt auf den Kopf) eher hier unten (zeigt auf den Bauch) verorte, dann kann ich mit sehr viel weniger Aufwand und mit anderen Kräften arbeiten – sage ich jetzt mal bewusst vage. Mit anderen Kräften als mit denen, die du vielleicht meinst mit Sichtbarkeit, also Socialmedia, auf der Bühne meine Frau stehen, Key-note-Speakerin sein, Bücher schreiben – all das. Das sind alles Möglichkeiten, aber die Kraft, die ursprüngliche Kraft sitzt woanders. Viele starke Frauen, viele Menschen, fühlen sich zu Sichtbarkeit gar nicht hingezogen und erkennen, dass das nicht ihre authentischen Kanäle sind. Sie sind dann vielleicht frustriert oder verunsichert, weil sie denken, dass sie dann ihre Stärke nicht in die Welt bringen können. Ich behaupte, dass es ganz andere Wege gibt, die subtiler sind und die es sich lohnt zu erforschen, weil sie auch Manifestationskraft besitzen.

Andrea: Das ist für viele sicherlich eine befreiende Sichtweise – und zurück zum zweiten Teil der Frage – wie hast du die Rolle der Frauen in deutschen Unternehmen wahrgenommen?

Marion: Die Sichtbarkeit von Frauen in den Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, ist gering – lächerlich gering! Punkt. Es ist, wie es ist. Meist waren das Frauen in den typischen HR-Positionen, also Human Resources, Personalentwicklung. Die haben mich ins Boot geholt, hatten aber selten Entscheidungsbefugnis, das ist meine (begrenzte) Erfahrung, gemacht allerdings in vielen, vielen Unternehmen aller Industrien, aller Branchen, aller Größen. Und wenn ich Frauen erlebt habe, die tatsächlich in eine Position als zum Beispiel Vice-President oder in die C-Suite gekommen sind, dann hatten die es meist sehr schwer. Das wissen wir alle, ich sag da nix Neues – für Frauen in diesen Positionen gilt es dann auch noch, sich mit Dingen herumzuschlagen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, für die sie bezahlt werden, für die sie brennen. Das kostet eine Menge Kraft und dafür zahlt man einen Preis. Ich habe sehr wenige Frauen getroffen, von denen ich sagen kann – das sind starke Frauen und sie können ihre Stärke und ihre Qualitäten dort ausleben, sie werden unvoreingenommen mit dem gesehen und geschätzt, was sie mitbringen.

Andrea: Du hast gesagt, die Sichtbarkeit von Frauen in den Unternehmen, die du kennst – und das sind nicht wenige – ist lächerlich gering und wenn, dann sind sie in den klassischen Positionen. Du sagtest, sie haben es dort sehr schwer, weil sie sich mit vielem herumschlagen müssen, wofür sie gar nicht bezahlt werden, wofür sie nicht brennen. Müssen sich Frauen mit anderen Sachen herumschlagen als Männer?

Marion: In meiner Wahrnehmung und aus den Erfahrungen im Rahmen meiner Arbeit dominiert in vielen Unternehmen ein sehr männliches und materialistisches Weltbild: Es gibt Wettbewerb und dadurch Gewinner und Verlierer und so weiter – das sind Organisationskulturen, in denen viele Frauen, die wirklich mit sich selbst in Kontakt sind, einerseits einen Anteil in sich finden, der dazu ja sagen kann. Einen Teil, der ehrgeizig ist, Einfluss haben möchte und auch angesehen werden möchte – all dies ist ja wunderschön. Und dann gibt es trotzdem einen anderen Anteil, der bleibt unendlich leer und unerfüllt. Diesem Teil geht es mehr um Ganzheitlichkeit und um ein Aufwachen, das uns erkennen lässt: Es macht keinen Sinn, wenn wir hier auf Kosten anderer nur schauen, dass wir gewinnen. Dass wir so vieles, so viele, außer Acht lassen, wo wir doch wissen, dass alles miteinander in Beziehung steht. Eine starke Frau, die das fühlt, hat ständig eine Spannung in sich, weil sie mit diesen Fragen und Themen gerne wahrgenommen werden möchte. Sie merkt, dass die Werte, die sie in Meetings oder in Strategien oder im Umgang miteinander gerne sehen möchte, dort nicht gesehen, nicht vertreten werden. Und sie stellt fest, dass sie keinen Weg findet, dieses Unbehagen zu versprachlichen oder in sich selbst so geerdet zu sein, dass sie dafür einstehen kann. Dieser Zwiespalt, diese Zerrissenheit, die kosten viel Kraft: Ich bin in einer dominanten Kultur, die entspricht mir nur zum Teil, einen Teil von mir muss ich negieren, wie gehe ich damit um?

Andrea: Wie geht man/frau damit um – hast du Lösungsansätze?

Marion: Der Lösungsansatz, den ich für meine Kunden, Frauen und Männer, bevorzuge, ist, auf die Ich-Entwicklung zu schauen. Das ist ein Ansatz für einen evolutionären Bewusstseinsprozess, zu dem es jede Menge solider Forschung gibt, die leider noch viel zu wenig ihren Weg in den Trend, ins Business findet. Dabei gilt es erst einmal auf mich als Individuum zu schauen: Wie begreife ich als Frau die Welt, wie gebe ich ihr Bedeutung, wie gebe ich mir Bedeutung – und meiner Rolle? Wie sehr bin ich vielleicht, wenn ich durch einen bestimmten Filter meiner Ich-Entwicklung schaue, mit der Geschichte von Frauen verhaftet, bewege mich in einem Korsett und hinterfrage das gar nicht? Ich kann alle möglichen Gründe und Geschichten in mir finden, meine Herkunft, vielleicht hatte ich Glück, vielleicht hatte ich weniger Glück. Ich kann mich mit Traumata identifizieren oder mit bestimmten Erwartungen, die an mich gestellt werden, aber das sind Geschichten aus der Vergangenheit. Mein Lösungsansatz ist es – für Mann und Frau – zu gucken, wie ich von all diesen Dingen frei werde, also frei von mir selbst. In meiner Arbeit mit Führungskräften kann ich da gute Hinweise einbringen, ich kann die Ich-Entwicklungsreife sogar quantifizieren, mit standardisierten Tests, um beispielsweise aufzuzeigen: Schau mal, da bist du in einem bestimmten Denkrahmen, der hat bis hierher Sinn gemacht, der hat dich erfolgreich gemacht. Und ab jetzt, wenn du mit dieser neuen Spannung umgehen möchtest – ohne dich oder das, womit du dich identifizierst zu verlieren oder zu negieren – gibt es einen Entwicklungsweg, der für dich evolutionär ansteht, dabei kann ich dich begleiten.

Andrea: Die Geschichten, die ich mir über die Welt erzähle, prägen meine Realität.

Marion: Ja, sie bilden ein gewisses Muster und ergeben eine individuelle Handlungslogik, nach der ich ‚musterhaft‘ denke und agiere – bewusster oder unbewusster. Und so eine Handlungslogik gibt es auch in Teams oder als kollektive Handlungslogik für Unternehmen, die die Welt auf eine bestimmte Art begreifen. Meist geht es in dieser Logik um Wettbewerb, um Gewinnen, um Gewinnmaximierung und wenn ich Teil dieses Kollektivs bin, dann bin ich in dieser Handlungslogik auch ein Stück weit gefangen.

Andrea: Wie machen wir uns freier?

Marion: Frauen haben es aus meiner Sicht leichter, sich für eine neue Dimension zu öffnen, für das Nicht-Wissen, das Terrain, auf das sich noch keiner gewagt hat. Wo wir statt über Planung und Strategie über Emergenz sprechen, also das Auftreten neuer, nicht voraussagbarer Qualitäten beim Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Agilität führt uns ein bisschen in die richtige Richtung: Der Weg legt sich unter die Füße beim Gehen und Experimentieren, wir machen das in kleinen Schritten, in Iterationen, und dann gucken wir immer wieder: Was haben wir gelernt? Wir segeln auf Sicht. Für Frauen ist dieses Vorgehen oft leichter, weil die Intuition ins Spiel kommt. Die Frau kann also das Spüren ins kollektive Handeln einbringen, ohne die andere Handlungslogik zu negieren.

Andrea: Ein Sowohl-als-auch, kein Stattdessen.

Marion: Wesentlich ist, dass frau nicht nach Außen schaut und verlangt, dass die Welt da draußen ihr bitte liefern soll, damit sie sich wohl fühlen kann. Es geht darum, dass sie lernt, diese Haltung in sich zu kultivieren und zu verkörpern und auch resilient zu sein gegenüber denen, die ihre Haltung hinterfragen. Dass sie sich immer wieder geschickt mit dem tieferen Wissen verbindet, was hinter all ihren Zweifeln und Ängsten liegt.

Andrea: Wenn ich mir das anhöre, drängt sich mir eine Formulierung auf, die auch schon in anderen Interviews zum Tragen kam: Es ist eine Bewegung raus aus der Opferrolle der Umstände – „Ich würde ja gerne, wenn nur die anderen …“ – hin zu dem Verständnis einer Gestaltungskraft, die dadurch entsteht, dass ich mich selbst besser kennenlerne.

Marion: Ja, darüber sprechen ja viele. Bin ich Opfer, bin ich Schöpfer, wie komme ich in das mehr Gestaltende? Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell hat diesen Prozess sehr schön mit seiner beschrieben. Die Heldenreise ist ein jahrtausendealter Zyklus und scheint die Grundlage der universellen Reise jedes Erwachsenen zu sein, es geht um das ganze Leben, um seine Stationen Abhängigkeit, Autonomie, Interdependenz (dependent, independent, interdependent auf Englisch). Da ist, als junge Erwachsene, zunächst ein Ich, das sich einer Gesellschaft und sozialen Regeln unterordnet, weil es dann beschützt, wird durch die Gemeinschaft. Dafür zahlt es aber auch den oben beschriebenen Preis der Abhängigkeit vom Kollektiv und startet dann die Heldenreise, um frei zu werden von dem, was andere von ihm erwarten, von ihm denken. Und dann braucht es erstmal – paradoxerweise – einen Schritt, den wir nicht überspringen dürfen. Es braucht ein ganz starkes, autonomes Selbst, das Gefühl: Ich kann hier meine Frau stehen, ich stehe hier, ich habe eine eigene Stimme und auch wenn ich die Einzige mit dieser Ansicht bin und kein anderer übereinstimmt, dann ist das Teil meiner Reifung. Das heißt auch, zutiefst an sich zu glauben, sich durchaus auch als getrennt zu sehen von anderen, als klares eigenes Selbst. Ich brauche diesen Anteil der Heldenreise, diese Individuation, die schon C. G. Jung erwähnt hat, als Reifung meines Selbst – werde so zu einer Person, die nicht von außen nach innen gerichtet ist, weil sie auf andere hört, sondern von innen nach außen agieren kann. Und dann erst geht es auf der weiteren Reise darum, dieses starke Selbst zu transzendieren, also frei von sich selbst zu werden. Es geht nicht darum, von ihm Abschied zu nehmen, sondern den gesunden Anteil mitzunehmen, während ich feststelle: All das, was ich dachte zu sein – meine Rolle, mein Status, meine Werte, meine Glaubenssätze – all das bin nicht wirklich ich. Da gibt es etwas anderes, das weitaus wirklicher ist, realer, und in dessen Dienst darf ich mich stellen, mich ausrichten nach einem übergeordneten Sinn, oder Purpose, von dem wir alle sprechen. Diese Schritte sind ein universeller Weg, den wir als Menschen zu durchlaufen haben und Joseph Campbell war mit seiner Heldenreise derjenige, der diesen Weg in den Mythen schon seit Jahrtausenden dokumentiert gefunden hat.

Andrea: Dieser von dir beschriebene Weg scheint mir den Bezug zu dem herzustellen, was ich eben in deiner Vorstellung für die Leser:innen gesagt habe: Du möchtest Führung auf eine neue Bewusstseinsebene bringen.

Marion: Ja, genau. Es geht um einen Paradigmenwechsel, um die vierte Revolution. Wir hatten die Agrarrevolution, die industrielle und die digitale Revolution und jetzt sind wir schon länger auf dem Weg in das nächste Paradigma, das Zeitalter des Bewusstseins. Wir merken, dass dieser Schritt ansteht, weil wir an unsere Grenzen kommen, überall. Das Verständnis dieses Paradigmenwechsels könnte für Unternehmen interessant sein, weil es einen echten Wettbewerbsvorteil darstellen würde. Wichtig ist allerdings, dass wir nicht nur die destruktiven Dinge in der Welt sehen, sei es systemischer Rassismus, sei es Klimawandel, sei es die Polarisation, die wir überall erleben. Schauen wir auf Amerika – alle fragen sich, wie Trump Präsident werden konnte. Aber seine Wahl repräsentierte ja ein Kollektiv, nahezu die Hälfte aller Amerikaner, und es sollte uns beschäftigen, was das bedeutet. Weil dieses Kollektiv nicht verschwinden wird, nur weil Trump jetzt nicht mehr Präsident ist. Wir sollten uns fragen: Worauf deuten all diese Krisen hin? Was will nun passieren?

Andrea: Wir erreichen die von dir erwähnte vierte Revolution nicht, indem wir uns nur auf die negativen Seiten des Weltgeschehens konzentrieren?

Marion: Der Paradigmenwechsel zeigt an, dass wir uns alle mehr und mehr dem zuwenden müssen, was wir wirklich wollen. Dann könnten wir erkennen, dass ein weiterer Zuwachs an Wohlstand, an Besitz – noch mehr Häuser, Autos, Schiffe, Flugzeuge – uns nicht weiterbringt. Wonach wir alle suchen, ist Glück. Wir möchten glücklich sein, geliebt sein, lieben können, gesund sein, in Frieden leben. Wir haben bislang nur einem sehr kleinen Teil unseres Selbst zugehört, der in der Vergangenheit sehr wichtig war – unserem Verstand. Wir sind so stark geprägt durch unser materielles und wissenschaftliches Weltbild. Und das kommt jetzt immer mehr ins Wanken. Jetzt gibt es Wachstumsschmerzen, wir müssen Dinge loslassen, von denen wir bisher immer glaubten: Das ist so. Die Welt ist so. Ich bin glücklich, wenn ich erstmal dies habe und dann das erreiche … Und wenn das dann aber nicht eintritt? Ich höre immer mehr Geschichten von Menschen, die ihren Wohlstand, ihre Sicherheit aufgeben, und dann vielleicht eher zu sich selbst finden, weil die Identifikation mit all dem plötzlich entfällt. Ich gehe also davon aus, dass wir in einem Zeitalter ankommen, in dem es darum geht, loszulassen, womit wir uns identifizieren. Das sind in erster Linie unsere Gedanken, unser „Monkeymind“, wie die Buddhisten sagen. Durch Beobachten können wir die Natur unseres Geistes erkennen. Wenn wir Bewusstheit auf unser Bewusstsein richten, dann erkennen wir, was uns da eigentlich die ganze Zeit regiert. Wir können lernen, diese Gedanken als Objekte zu betrachten, sie zu nutzen. In bestimmten Situationen ist Denken sehr hilfreich (lacht) aber nicht als Default-Mode, als Reflex.

Andrea: Was passiert, wenn wir zum Beobachter unserer bisher unbewussten Gedanken und Identifikationen werden?

Marion: Wenn ich nicht mehr nur mit Denken und Rationalität beschäftigt bin, dann taucht mehr von dem auf, was tatsächlich ist und was wir tatsächlich sind – Bewusstsein. Wir brauchen Menschen, die aufwachen, insbesondere – aus meiner Sicht – auch Führungskräfte. Wir benötigen Menschen in höchsten Positionen, die dieses Paradigma nicht nur verstehen, sondern durchdringen und verkörpern. Wenn die dann aus dieser Bewusstseinswelt die Themen Wirtschaft und Erfolg betrachten, dann werden sie unweigerlich immer globalere Zusammenhänge sehen, sie können gar nicht anders. Sie werden sehen, dass es Sinn macht, altruistisch zu sein und zu verstehen: Die Auswirkungen meines Handelns werden immer auf mich zurückfallen, weil alles mit allem verbunden ist. Das größte Geschenk, das ich mir und meinen Lieben oder meinem Land also machen kann, ist in diesen universellen Zusammenhängen zu denken und zu agieren. Wenn Interdependenz – die wechselseitige Abhängigkeit – als Prinzip verstanden und verkörpert wird, wenn globale Zusammenhänge verstanden werden, dann wird sich daraus eine andere Form von Strategie entwickeln. Emergenz wird dort entstehen, wo viele Köpfe und Herzen sich auf einen Prozess einlassen, der viel mehr verarbeiten und erkennen kann als nur der begrenzte Verstand. Das alles habe ich mir nicht ausgedacht, hinter diesen Thesen steht solide Forschung, Quantenphysik, Neurowissenschaft, Bewusstseinsforschung. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es das Wissen um diese Zusammenhänge in den Mainstream schafft.

Andrea: Das wäre schön, denn du sagst es sehr richtig, diese Zusammenhänge sind teilweise seit 100 Jahren und mehr bekannt, haben schon Einstein beschäftigt. Könnte es sein, dass die meisten zum Beispiel die Quantenphysik oder die Neurowissenschaft nur mit dem Verstand betrachten, aber um die Zusammenhänge zu verkörpern, sie fühlen können müssten?

Marion: Was ich anbieten kann und anbiete, ist quasi eine Brücke zu diesem neuen Paradigma. Ich erkenne an, dass das Ego – also die Illusion von einem getrennten Selbst, mit dem ich mich als Mensch identifiziere – nun mal gewisse Dinge braucht und glaubt. Sind die nicht gegeben, dann ist man verunsichert, unnötig kritisch und neigt zu der Haltung: Das ist alles „esoterischer“ Humbug. Über die wissenschaftlich fundierten Ergebnisse, die meine Kollegen und ich in unserer Arbeit verwenden, über Quantifizierbarkeit und Prognostizierbarkeit können wir dem Ego eine Brücke bauen, es bekommt Nahrung für den Verstand. Das kennt es. Damit steigen wir ein in den Prozess, beschreiten quasi einen soliden Weg, den eine Führungskraft auch intern in ihrer Organisation rational ‚verkaufen‘ oder vertreten kann. Und dann kommen wir auf dieser Erfahrungsbasis in eine neue Dimension, die versteht, was sich durch die Krise ankündigen will. Die Führungskraft, die Frau begreift: Du kannst eine Pionierin sein, wenn du dich als Mensch in diesem Terrain aufhältst, dich darin auskennst und aus diesem Bewusstsein heraus führst.

Andrea: Eine letzte Frage – wenn jetzt eine Frau dieses Interview liest und sagt, wow, das hört sich total toll an, aber ich bin keine Führungskraft und werde mir ein Coaching nicht leisten können. Was kann sie jetzt tun?

Marion: Ich kann auf meinen Lebensweg zurückgreifen und die Gewaltfreie Kommunikation, GFK, empfehlen. Für mich war es eine wunderbare Methode, mich in einer Gruppe, in der ich mich sicher fühle, zu öffnen und bestimmte Aspekte zu betrachten, die ich bisher noch nicht gesehen hatte und die zu wenig gehört wurden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das empathische Zuhören, das in der GFK gelebt und gelernt wird, mich erdet und dass ich durch dieses Zuhören innere Anteile entdecke und sie wertschätzen lerne, so dass ich mich daran erinnern kann, dass ich bereits heil bin. Selbstannahme hat mir geholfen und unter der ganz großen Überschrift vielleicht Selbstliebe, Empathie. Das ist das Fundament: emotionale Intelligenz und tiefes Vertrauen in mich selbst und in das Leben. Wer da beginnen möchte, kann sich gerne mal im Internet umschauen, es gibt wunderbare Talks zu GFK, mit Marshall Rosenberg, mit Kollegen, zum Beispiel auf YouTube.

Andrea: Marion, danke für diesen Hinweis. Ich würde gerne noch drei Stunden mit dir weiterreden. 😊 Es sind so viele interessante Themen, ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken, dass du deine Erfahrungen und dein Wissen mit uns teilst.

Kontakt:

Marion Riehemann

www.not-knowing-leadership.com

ENGLISH VERSION: Marion Riehemann: Strong women are connected.

Hello dear viewers, I’m connected in a very special way today, across the Atlantic to Wisconsin where it’s seven hours earlier and therefore 8am. So, Marion Riehemann (formerly Guérin) is over there still drinking her breakfast tea and meanwhile she’s going to talk to me about strong women. Marion has an exciting curriculum vitae: she was born in Canada, lived in New York as a child, then grew up in Germany, and after various stations around the world, she has now been living in America again for a year and a half, because of love. Marion was an actress, a theater teacher, a language instructor and had a speech therapy practice before she followed her heart’s call. She has now worked successfully as a leadership consultant and senior executive coach at top management level in Germany and internationally for many years. In what she does, she pursues a very special theme. She is concerned with bringing leadership to a new level of consciousness, which is nothing less than a paradigm shift in leadership. When I met Marion, in observing what she does and what moves her, I had the impression – „Oh, this woman can do anything.“ That’s why I think she’s an ideal interlocutor for the question: What actually is a strong woman?

Marion: A very beautiful question, and it is so wonderfully open. I understand my answer to it in such a way that I first say what a strong person is and then relate that to the woman in the 21st century. A strong person is a person who, in their journey through life, begins a journey to themselves and never loses sight of that, at least keeps picking up the thread and returns to the essential questions – who am I, why am I here, what is the reason for my being here, what is it for me to realize? It’s about understanding the nature of reality, examining the nature of being human, and knowing yourself better and better. This brings me back to a quote that my mother used to have hanging on her wall: „Tat Tvam Asi“ – „Know yourself. Thou art that.” A strong person is someone who holds this focus with joy and ease, yet persistently – who am I? And this besides being human, with all that wants to distract and challenge us here, all that wants to be accomplished and created. If I live and work and make decisions from this deeper level, then that is a huge contribution to what we (as humanity) need today.

Andrea: And in terms of women?

Marion: My hunch is, and I speak a little bit for myself there (laughs), I look at my path and look around me – who are the strong women for me? Then those are the ones who understand that it could be about building a bridge and saying: The masculine, which has dominated our world so far, is also in us! I am both female and male, just as the man also carries both aspects in himself. Both have to be integrated. Strong women should also really look at their own hurts and fears and understand them as an opportunity for development. Then they can take on a wise, an intuitive, a feminine strong, assertive role in the world, which also allows men, the masculine and masculine systems to open up. These could begin to be curious and in touch with their own longing, which I am more and more convinced wants to come into the world.

Andrea: In order to act in the way you just described – in order to arouse curiosity through a certain attitude – don’t the strong women need a higher visibility? First of all, they would have to arrive in public, in society, to be perceived? How did you specifically perceive the visibility of strong women in companies during your activities in Germany?

Marion: There are now again two contents in your question, which I would like to address one after the other. First of all your implicit assumption that visibility is the only way. Because that would then be a frame of thought within which I would have to answer and I am actually not prepared to do that without questioning it. I do not believe that visibility is the only way. It is one way, and it’s one that is highly recognized in our society and it can lead to success quickly. Visibility is super helpful, no question about it. What I’m finding for myself, though, as a woman and especially as a human being, is that when I learn to understand myself and the world from a different place then I learn to give myself and the world a meaning from a place that I locate down here rather than up here, then I can work with a lot less effort and with different forces. I’m saying this deliberately vague for now. With other forces than the ones you might mean by visibility, so social media, being on stage, holding my own ground, being a key-note speaker, writing book, all that. Those are all possibilities, but the power, the original power sits somewhere else. A lot of strong women, a lot of people, are not attracted to visibility at all and realize that those are not their authentic channels. They may then be frustrated or insecure because they think that they can’t then bring their strength into the world. I contend that there are very different channels that are more subtle and worth exploring because they also have manifestation power.

Andrea: That’s certainly a liberating perspective for many – and back to the second part of the question – how did you perceive the role of women in German companies?

B: The visibility of women in the companies I’ve worked in is low – ridiculously low! Period. It is what it is. Mostly, these were women in the typical HR positions, i.e. human resources, personnel development. They often got me on board, but rarely had decision-making power. This is my (limited) experience, made though in many, many companies of all industries, all sectors, all sizes. And when I’ve seen women actually get into a position as, for example, vice-president or into the C-suite, they usually had a very hard time. We all know that, I’m not saying anything new – for women in these positions, they also have to deal with things (biases, inequality, that have nothing to do with what they’re paid for, what they’re passionate about. This takes a lot of energy and women pay a price for that. I’ve met very few women where I can say – ‘These are strong women and they are able to live out their strength and their qualities there, they are seen and appreciated without bias with what they bring to the table.

Andrea: You said the visibility of women in the companies you know – and they’re not few – is ridiculously low and if they are, they’re in the traditional positions. You said they have a very hard time there because they have to deal with a lot of things that they don’t get paid for. Do women have to deal with different things than men?

Marion: In my perception and from the experiences in the context of my work, a very male and materialistic view of the world dominates in many companies: There is competition and therefore winners and losers and so on – these are organizational cultures in which many women who are in touch with themselves find, on the one hand, a part in themselves that can say ‘yes’ to this. This part is ambitious, wants to have influence, and wants to be respected – and all of that is wonderful. And then there is still another part, which often remains infinitely empty and unfulfilled. This part is more concerned with wholeness and waking up to this realization: It makes no sense – at the expense of so many – if we only look to win, It makes no sense that we disregard so much, so many, when we know that everything is interrelated and interconnected. A strong woman who carries this within herself has a tension in her all the time, because she would like to be perceived and engaged with these questions and issues. She notices that the values she would like to see in meetings or in strategies or in dealing with each other are not there, are not represented. And she can’t find a way to voice this discomfort or to be grounded enough in herself to actively stand up for it. This dichotomy, this conflict, costs women a lot of energy: I work in a culture that is dominated by the masculine, mechanistic and materialistic worldview, and this only corresponds to me in part. I constantly have to deny a part of myself – how do I deal with that?

Andrea: How do you deal with this – do you have any solutions?

Marion: The approach I prefer for my clients, both women and men, is to look at ego development. This is an approach for an evolutionary process of consciousness, for which there is a lot of solid research, which unfortunately still finds its way far too little into the trend, into business. First of all, I have to look at myself as an individual: How do I as a woman understand the world, how do I give it meaning, how do I give myself meaning – and my role? How much am I perhaps, looking through a certain filter of my ego development, entrenched with the history of women, moving in a corset of anger, fear or lack of confidence and not questioning that at all? I can find all kinds of reasons and stories in me, my origins, maybe I was lucky, maybe I was less lucky. I can identify with traumas or with certain expectations placed on me, but these are stories from the past. My solution approach is – for man and woman – to see how I can become free of all these things, free of what I identify with and ultimately free of myself. In my work with executives, I can provide good pointers, I can even quantify ego development maturity with standardized tests, for example, to show: Look, you are in a certain frame of mind, it has made sense up to this point, it has made you successful. And from now on, if you want to deal with this new tension and with complexity – without negating yourself or what you identify with – there is a developmental path that is in store for you evolutionarily. And I can accompany you in that.

Andrea: The stories I tell myself about the world shape my reality.

Marion: Yes, they form a certain pattern and result in an individual logic of action. And according to that logic of action I think and act ‚pattern-like‘ – consciously or unconsciously. And such a logic of action also exists in teams or as a collective logic of action for entire companies that understand the world and its challenges in a certain way. Usually – today – this logic is about competition, about winning, about maximizing profits, and if I’m part of this collective, then I’m also caught up in this logic of action to a certain extent.

Andrea: How do we make ourselves free from this?

Marion: From my point of view, women have an easier time opening up to a new dimension, to the not-knowing, the terrain where no one has dared to go before. This is the terrain where instead of planning and predictable strategy, we talk about this: the emergence of novel and unpredictable qualities when multiple factors interact.

Agility takes us a little bit in the right direction: the path lays itself under our feet as we walk and experiment, we do it in small steps, in iterations, and then we keep looking: what have we learned? We sail by sight. For women, this approach is often easier because intuition comes into play. So the woman can bring sensing into collective action without negating the other logic of action.

Andrea: A both-as well, not an instead.

Marion: What’s essential is that woman doesn’t look outside and demand that the world out there please deliver to her so that she can feel good. It’s about her learning to cultivate and embody this attitude within herself, and also to be resilient to those who question her attitude. She needs to consistently and skillfully connect with the deeper knowing of what lies underneath all her doubts and fears.

Andrea: Listening to this, a phrase that has come up in other interviews suggests itself to me: it’s a movement out of the victim role of circumstances – „I’d love to, if only the others …“ – to the understanding of a creative force that emerges by getting to know myself better?

Marion: Yes, that’s what many people are talking about. Am I a victim, am I a creator, how do I come into the more formative? The American mythologist Joseph Campbell described this process beautifully with his Hero’s Journey. The hero’s journey is a millennia-old cycle and seems to be the basis of every adult’s universal journey. It is about the whole of life, its three main stages of: dependence, autonomy, interdependence. First, as a young adult, the ego learns to subordinate its impulses and interests to a society and to social rules because it is then protected by the community. In return, however, it pays the price of dependence on the collective. Then the hero’s journey continues in order to become independent and free from what others expect of them, think of them. And then it first needs – paradoxically – a step that we cannot seem to skip. It takes a very strong, autonomous sense of self: ‘I can stand my ground here, I have my own values, convictions and voice and even if I am the only one with this view and no one else agrees, then that is part of my maturation. That also means believing deeply in yourself, seeing yourself as separate from others by all means, as a clear self of your own. We need to go through this part of the hero’s journey, this individuation, which C. G. Jung already mentioned, as a maturation of my self – thus becoming a person who is not directed from outside-in, by listening predominantly to others and their expectations of us but can act from the inside to the outside. And only then is the further journey about transcending this strong self, that is, becoming free from oneself. It’s not about saying goodbye to our strong sense of self but taking the healthy parts with me as I realize: all that I thought I was – my role, my status, my values, my beliefs – all that is not really me. There is something else that is far more real, and in whose service I may place myself, aligning myself with an overarching meaning, or Purpose, that many speak of. These developmental steps are a universal path that we as human beings have to live through and Joseph Campbell with his Hero’s Journey was the one who found this path documented in the myths for thousands of years.

Andrea: This path you describe seems to me to relate to what I just said in your introduction for the readers: You want to bring leadership to a new level of consciousness.

Marion: Yes, exactly. It’s about a paradigm shift, about what I call the fourth revolution. We’ve had three already: the agricultural revolution, the industrial revolution, the digital revolution, and now we’ve been on the path to the next paradigm, the age of consciousness, for quite some time. We realize that this step is coming because we are collectively reaching our limits, everywhere. My strong suggestion is: Understanding this paradigm shift could be interesting for companies because it would be a real competitive advantage if companies and leaders understood it. It’s important, though, that we don’t just see the destructive things in the world, whether it’s systemic racism, whether it’s climate change, whether it’s the polarization that we’re seeing everywhere. Let’s look at America – everyone is wondering how Trump could become president. But his election, after all, represented a collective, almost half of all Americans, and it should concern us what that means. Because that collective is not going to disappear just because Trump is now no longer president. We should ask ourselves: what are all these crises pointing to? What is the opportunity here? What is actually wanting to happen now?

Andrea: We don’t achieve the fourth revolution you mentioned by focusing only on the negative sides of worlds events?

Marion: The paradigm shift indicates that we all need to turn more and more to what we really want. Then we might realize that a further increase in wealth, in possessions – even more houses, cars, ships, airplanes – will not get us anywhere. What we are all looking for is happiness. We want to be happy, to be loved, to be able to love, to be healthy, to live in peace. We have so far only listened to a very small part of ourselves that was very important in the past – our mind. We are so strongly influenced by our materialistic and rational-scientific view of the world. And that is now beginning to falter. Now we experience growing pains, we are called to let go of things that we used to believe. ‘This is the way it is. The world is like this. I will be happy when I first have this and then I achieve that …’ But what if that doesn’t happen? I hear more and more stories of people who give up their prosperity, their security, and then perhaps find more easily what they are truly looking for, because the identification with all the objects suddenly disappears. So, I assume that we are arriving at an age in which it is a matter of letting go of what we identify with. These are primarily our thoughts and our „monkey mind,“ as the Buddhists say. By observing, we can know the nature of our mind. When we bring awareness to our consciousness, we realize that which is actually governing us all the time. We can learn to look at these thoughts as objects, to use them. In certain situations, thinking is very helpful (laughs) but not as a default mode, as a reflex.

Andrea: What happens when we become the observer of our previously unconscious thoughts and identifications?

Marion: When I’m no longer just concerned with thinking and rationality, more of what actually is and what we actually are – consciousness – emerges. We need people to wake up, especially – from my point of view – also leaders. We need people in the highest positions who not only understand this new paradigm, but who deeply penetrate it and start to embody it. If these leaders then look at the issues of business and success from this level of consciousness, they will inevitably see increasingly global interconnections; they just can’t help it. They will see that it makes sense to be ‘altruistic’ and will understand: The effects of my actions will always fall back on me because everything is connected to everything else. The greatest gift I can give myself and my loved ones, my community or my country is to think systemically and act in these universal contexts. When interdependence – is understood and embodied as a principle, when global connections are consistently recognized, then a different form of strategy cam emerge. Emergence occurs where many minds and hearts engage in a way that can process and recognize and manifest much more than just the limited mind. I did not make all this up, there is solid research behind these theses – quantum physics, neuroscience, consciousness research. I would like to do my part to bring the knowledge of these connections into the mainstream, namely into business and the C-Suite.

Andrea: That would be nice, because you say it very right, these connections have already occupied Einstein, they are partly known for 100 years and more. But I think the problem is that most people, for example, look at quantum physics or neuroscience only with the mind, but to embody the connections, you have to feel them, right?

Marion: What I can offer and am offering is sort of a bridge to this new paradigm. I acknowledge that the ego – that is, the illusion of a separate self with which my clients tend to identify – now needs and believes certain things. If these facts and explanations and models are not given, then one is insecure, unnecessarily critical and tends to the attitude: This is all „esoteric“ humbug. With the help of sound scientific date, which my colleagues and I use in our work, with quantifiability and predictability we can build a bridge for the ego. This is what it knows, it gets food for the mind and then learns how to trust. We start treading a solid path, so to speak, that a leader can then rationally advocate for internally in their organization. And then, on this basis of experience, we help leaders enter into a new dimension that understands what the business challenge actually means. The leader, the woman understands: you can be a pioneer if you learn to navigate this terrain and lead from that awareness.

Andrea: One last question – now if a woman reads this interview and says, wow, that sounds totally great, but I’m not a leader and I’m not going to be able to afford coaching. What can she do now?

Marion: I can draw on my life’s journey and recommend Nonviolent Communication, NVC. For me, it has been a wonderful way to open up in a group where I feel safe and to look at certain aspects that I had not seen before and that were not heard enough. I have found that the empathic listening that is lived and learned in NVC grounds me and that through this listening I discover inner parts and learn to value them so that I can remember that I am already whole. Self-acceptance has helped me and under the very big heading maybe self-love, empathy. That’s the foundation: emotional intelligence and deep trust in myself and in life. If you want to start there, feel free to look around on the internet, there are wonderful talks on NVC, with Marshall Rosenberg, with colleagues, for example on YouTube.

Andrea: Marion, thank you for this reference. I’d love to talk with you for another three hours. 😊 There are so many interesting topics, I would like to thank you very much for sharing your experience and knowledge with us.

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Marion Riehemann

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