TU ES JETZT

Ich höre es deutlich, die Stimmen werden lauter: Spring! Spring! Spring!

Es wird immer enger, lärmender, es stinkt. Unerträglich. Du stehst, sitzt, schaust aufs Handy, weichst zurück. Redest über dein Tun, über die da oben, haderst, flüchtest.

Sie rufen: Trau dich.

Du fragst einen Anwalt oder jemanden, der es wissen muss.

Sie schauen dich mit strahlenden Augen an, Zuversicht in ihrer Haltung. Sie wissen ganz einfach.

Du überlegst, was du nächste Woche kochen könntest, wenn der Chef deines Mannes zu Besuch kommt, holst die Wäsche aus der Maschine und ein bisschen Geld von der Bank.

Sie rufen: Tu es jetzt.

Und du traust dich. Du springst. Und fällst.

Und fliegst. Alles ist neu und vertraut.

Die Welt ist nach wie vor da.
Die Bahn fährt nicht, das Auto streikt, die Kaffeemaschine muss zum vierten Mal in Reparatur, kein Geld auf der Bank, das Projekt, für das du bereits viele Stunden investiert hast, wird abgesagt.
Urlaub gestrichen – und dann die ewig gleichen und immer intensiveren Nachrichten von Krieg und Klimawandel, von Ungleichheit und Ungerechtigkeit, von Not und Krankheit. Das alles ist da.

Und du fliegst im Vertrauen, dass eine andere Welt nicht nur möglich ist. Das sie schon da ist.
Du hast losgelassen – den Wunsch, dass etwas anders sein soll.

Nur diesen einen Wunsch.
Und alles wird anders.

 

 

Dazu noch eine Ergänzung, ein Zitat von Pema Chödrön aus dem Buch „Wenn alles zusammenbricht“:

„Wenn die Dinge über uns zusammenbrechen, dann ist das eine Prüfung und gleichzeitig ein Heilungsprozess. Wir glauben, es ginge darum, die Prüfung zu bestehen und das Problem zu überwinden, aber in Wirklichkeit gibt es gar keine Lösung. Die Dinge kommen zusammen und fallen wieder auseinander. Dann kommen sie wieder zusammen und fallen wieder auseinander. So einfach ist es. Die Heilung stellt sich ein, wenn wir allem Geschehen Raum lassen: Raum für Trauer, Raum für Linderung, Raum für Elend, Raum für Freude.“